Masken – Ein Film von Amitai Arnon und Esther Bires

Zwölf Jahre lang begleiteten die Filmemacher:innen Amitai Arnon und Esther Bires zwei Geschwister beim Purimfest und zeigen sie in ihren verschiedenen Kostümen und bei Rollenspielen. 

25. Oktober 2022

Wer einen tieferen Einblick in die israelischen Lebenswelten erhalten möchte, der muss nicht unbedingt auf Zeitungen oder lange Reportagen zurückgreifen, sondern kann einfach beim Purimfest, dem jüdischen Karneval, die verkleideten Kinder beobachten. Ihre Kostüme demaskieren eine Menge Vorurteile und vorgefasster Vorstellungen, die im israelischen Alltag ansonsten weitgehend verborgen bleiben. Wie in einem Zerrspiegel zeigen sich hier die herrschenden Machtverhältnisse und Genderstereotype, die Bedeutung eines militaristischen Patriotismus sowie messianische Vorstellungen von Religion, die in der Sozialisierung jüdischer Israelis eine entscheidende Rolle spielen.

Das Purimfest wird in Israel groß gefeiert: Es ist das einzige Fest, an dem es geboten ist, sich zu betrinken, „bis man nicht mehr unterscheiden kann“. An Purim gedenkt man der Errettung des jüdischen Volkes in der persischen Diaspora, die in dem Buch Esther beschrieben ist. Demnach versuchte Haman, seines Zeichens höchster Regierungsbeamter des persischen Königs, diesen dazu zu bringen, alle Juden im Perserreich an einem einzigen Tag ermorden zu lassen. Allerdings sei es der jüdischen Ehefrau des Königs, Esther, mit Fasten und Gebeten gelungen, Haman zu Fall zu bringen und die Juden damit zu retten. Ihr Cousin Mordechai, der sich durch seinen besonderen Widerstand ausgezeichnet hatte, übernahm daraufhin die Position von Haman.

Bei diesem an Fasching erinnernden Fest dürfen Kinder, aber auch Erwachsene ihre Fantasien ausleben und sich karnevalsmäßig verkleiden und maskieren. Traditionellerweise ist unter Mädchen besonders beliebt, sich als Königin Esther zu kostümieren, während die Jungs in die Rolle des bösen Haman oder des Rebellen Mordechai schlüpfen. Aber im heutigen Israel werden naturgemäß die jüdischen Mythen an das hier und jetzt angepasst: So sind unter kleinen Jungs Soldaten- und Polizistenkostüme sehr verbreitet, während die Mädchen weiterhin am liebsten als Königinnen oder Prinzessinnen gehen.

Dem eindrücklichen und vielschichtigen Kurzfilm „Masks“ (Masken) von Amitai Arnon und Esther Bires liegen Aufnahmen aus zwölf Jahren zugrunde. So lange haben die Filmemacher*innen zwei Geschwister, einen Jungen und ein Mädchen, mit der Kamera dabei begleitet, wie sie den Tag des Purimfests verbringen. So werden Abläufe von Kindheit und Pubertät in Israel dokumentiert. Über vielen Szenen schwebt ein Hauch von Surrealität, wenn zum Beispiel gezeigt wird, wie die Kinder ganz allein versuchen, die Gebrauchsanweisung für die damals in jedem israelischen Haushalt befindlichen Gasmasken zu verstehen. In dieser Szene manifestiert sich auch die kritische Einstellung des Films: Den Zuschauer*innen wird eine alternative Interpretation des Titels „Masks“ angeboten, eine subversive Verknüpfung von Krieg und Spiel.

Der Film „Masks“ wurde im Jahr 2015 während der Ausstellung „The Ethnographic Department of the Museum of the Contemporary“ im Maamuta-Kunstzentrum in Jerusalem öffentlich aufgeführt.

Tali Konas ist Projekt-Managerin im Israel-Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Tel Aviv.

Weiterführende Quellen

Die ewige Sukka von Lea Mauas und Diego Rotman

Das Mamuta-Projekt

Autor:in

Tali Konas ist Content Editorin für die RLS-Website.

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