(„spanisch“) In der jüdischen Diaspora gab es zwei große Zentren: in Zentraleuropa und in Andalusien auf der iberischen Halbinsel unter muslimischer Herrschaft. In diesen Zentren entwickelte sich im Laufe der Zeit jeweils spezifischen kulturelle und religiöse Traditionen, zum Beispiel in Bezug auf die religiöse Liturgie, die hebräische Aussprache und die verwendete Alltagssprache (Jiddisch und Ladino/Judezmo). Das Zentrum in Andalusien wurde 1492 durch die Reconquista und die darauffolgende Vertreibung (oder Zwangskonvertierung) der jüdischen (und muslimischen) Bevölkerung zerstört. Die Flüchtlinge gelangten nach Nordafrika, ins Osmanische Reich und in Seehandelshafenstädte in Italien und Nordwest-Europas (und von dort aus auch nach Amerika und Indien). Sie bewahrten ihre Identität und Traditionen, die sephardisch (das heißt von der iberischen Halbinsel kommend) genannt wurden. Nichtsdestotrotz entwickelte sich im Laufe der Zeit eine große Vielfalt, infolge der großen räumlichen Entfernungen zwischen den Flüchtlingsgemeinden, dem Zusammentreffen mit anderen jüdischen Gemeinden (vor allem im Nahen Osten), deren Mitglieder nicht von der iberischen Halbinsel kamen, und dem Einfluss der sie umgebenden nicht-jüdischen Mehrheitsgesellschaft. Eine gewisse Vereinheitlichung erfolgte in Israel durch das Amt des Sephardischen Oberrabbiners (das neben dem Amt des Aschkenasischen Oberrabbiners besteht). Heute bezeichnen sich viele sephardische (sowie auch andere aus Afrika und Asien eingewanderte) Israelis auch als Mizrachim/Mizrachiot.